Interview mit FSH

Foto: © Hanno Borchert

Foto: © Hanno Borchert

Interview mit Fredrik Strand Halland

Fredrik, Du bist 14 Jahre alt. Seit wann spielst Du Gitarre? Hast Du es Dir selber beigebracht oder hattest Du Lehrer?

- Ich habe mit 7 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Zuerst habe ich nach Gefühl gespielt, dann hat mir mein Vater irgendwann die ersten Akkorde gezeigt. Mit 9 bin ich zu dem bei uns recht bekannten Gitarrenspieler Mads Eriksen gegangen. Bei ihm habe ich viel gelernt.

Bist Du ehrgeizig? Wie lange übst Du täglich im Durchschnitt?

- Ja, ich bin ehrgeizig! Ich übe täglich mindestens 1 ½ – 2 Stunden. Das hängt davon ab, ob ich Schule habe oder nicht oder ob ich viele Hausaufgaben machen muß.

Es gibt eigentlich nur wenige Jugendliche in Deinem Alter, die etwas mit dem Blues anfangen können. Zumindest hier in Deutschland. Wenn man Dich so hört und sieht, dann könnte man denken, daß dieses gewisse etwas, dieses Blues-Feeling, dieser Spirit, angeboren ist. Kann man das so sagen?

- Das weiß ich nicht, ob das Blues Feeling angeboren ist, aber dieses gewisse Etwas ist irgendwann in mir erwacht und es fühlt sich sehr gut an.

Was fasziniert Dich so am Blues und am Bluesrock?

- Oh, am Blues fasziniert mich sehr viel. Es ist diese bodenständige, vom Herzen kommende Musik mit sehr vielen Emotionen. Ich höre aber auch andere Musik wie Country und Rock´n Roll.

Interessieren Dich dabei auch die Wurzeln und die Geschichte des Blues?

Nun, bis jetzt ist es vor allem die Musik, die mich fasziniert. Ich weiß aber, daß der Blues eine lange Geschichte hat und die Wurzeln der meisten zeitgenössischen Musik im Blues gründen.

Wer sind denn deine musikalischen Vorbilder?

- Meine intensivste Inspiration habe ich bei Stevie Ray Vaughan gefunden. Ich höre auch Jimi Hendrix, Gary Moore und viele andere Bluesgitarristen. In Norwegen ist es vor allem immer wieder Lars Håvard Haugen mit den Hellbillies.

Spielst Du auch noch anderes außer Blues und Bluesrock?

- Ja klar, ich höre und spiele auch gerne andere gute Gitarrenmusik. Beispielsweise Steve Vai, und andere gute Gruppen wie ZZ-Top, Thin Lizzy, John Mayer und Lynnard Skynnard. Ich habe immer ein offenes Ohr für gute Musik.

FSH-Band: Frank Halland, Fredrik, Zsolt Meszaros und Harald Dahlstrøm

Kannst Du uns ein wenig von Deiner Band erzählen? Es ist ja keine Schülerband sondern Deine Bandmitglieder sind alles Erwachsene. …

- Ja, ich spiele da mit meinem Vater, Frank. Er ist am Baß. Dann ist da Zsolt Meszaros am Schlagzeug und Harald Dahlstrøm am Klavier und der Orgel. Sie sind alle älter als ich und sehr erfahrene Musiker, die alle auch noch mit anderen, recht bekannten Bands auftreten. Ich bin sehr glücklich, mit ihnen zu spielen!

Seit dem Spätherbst letzten Jahres ist Deine erste CD mit dem Titel „Beautiful Day“ auf dem Markt. Wie würdest Du die CD selber beschreiben? Sind da auch eigene Lieder drauf?
Ist die Scheibe auch in Deutschland erhältlich?

- Beautiful Day“ ist meine erste CD – und beinhaltet einige von Stevie Ray Vaughan´s cover-Songs. Das kommt daher, weil ich diese Lieder gehört und selber gespielt habe, seit ich angefangen habe, Blues zu spielen und sie bedeuten mir sehr viel. Einige der Lieder sind selbstgeschriebene. Sie sind in Zusammenarbeit mit meinem Vater, Musikerfreunden und mir enstanden. Die CD gibt es in Deutschland nicht zu kaufen. Sie kann aber über meine norwegische Seite im Internet bestellt werden.

Wie fühlst Du Dich, wenn du auf die Bühne gehst? Hast Du großes Lampenfieber?

- Nein, ich habe überhaupt kein Lampenfieber! Ich liebe es, vor Publikum zu spielen und wenn ich auf der Bühne bin fühle ich mich genau an der richtigen Stelle. …

Das finde ich großartig. Und wie ist es mit den Auftrittbedingungen bei Euch in Bergen? Wo spielst Du so? Wie würdest Du die Musikszene, speziell die Blues- und Bluesrock-Szene bei Dir in Bergen und Umgebung beschreiben?

- In meiner Stadt Bergen gibt es den Blues-Club „Bergen Roots & Blues Club“ (http://www.bbrc.no/programm.html“ www.bbrc.no/programm.html.)
Einmal im Monat gibt’s eine Bluesnacht mit unterschiedlichen Künstlern im „Madam Felle“. Das ist in Bryggen, der Altstadt von Bergen. Dort habe ich schon einige Male gespielt. Erst im März wieder.
(http://www.madamfelle.com/mf/fredrikhalland.html)
Und dann spiele ich auch bei vielen anderen Veranstaltungen in Bergen und der Umgebung. Da gibt’s zum Beispiel noch das „Logen“ in der Stadt mit vielen unterschiedlichen Konzerten, wo nicht nur Bluesmusik angesagt ist. Da fand meine Party anläßlich der CD-Veröffentlichung statt. Ich denke, wir haben hier in Bergen und den angrenzenden Bezirken sehr gute Bedingungen für Bluesmusik, sowohl von den Auftrittmöglichkeiten her als auch vom Publikum.

Wie bekannt bist Du in Deiner Heimatstadt Bergen? Und in Norwegen? Hat sich dadurch etwas in Deinem Leben verändert?

- Es fällt mir schon auf, daß Leute mich erkennen und in Musikerkreisen kennen mich eigentlich fast alle. Ich fühle trotzdem so ziemlich das gleiche wie vorher auch und eigentlich hat sich für mich im täglichen Leben auch nichts entscheidendes verändert.

Welches waren denn Deine bisher besten und aufregendsten Auftritte?

- Mein bisher bester und aufregendster Auftritt war in der „Knitting Factory“ in Hollywood im August letzten Jahres. Das war einfach unglaublich!

Was war denn das Besondere, das Außergewöhnliche für Dich beim Auftritt in Hollywood?

- Mein Auftritt in der „Knitting Factory“ war für mich etwas ganz Besonderes, weil es zugleich auch mein erster Besuch in den USA war. Ich habe dort viele gute junge Musiker in meinem Alter getroffen, die es genau so ernst mit der Musik meinen wie ich. Es war großartig mit ihnen zu spielen und sie näher kennenzulernen. Überhaupt das alles…Hollywood zu sehen, der Auftritt in der „Knitting Factory“, die Umgebung, die Radio-Sendung in L.A., die Generalprobe im „Hot House Studio“ in Los Angeles. … Alles zusammen war das beste, was ich erlebt habe.


Foto: © Craig Boissy

Wer sind Deine Fans? Gibt es da Schwerpunkte?

- Nein, meine Fans sind unterschiedliche Menschen in allen Altersgruppen und allen Teilen der Gesellschaft.

Was sagen denn Deine Mitschüler in Deiner Klasse zu Deinen musikalischen Aktivitäten? Interessieren sie sich dafür?

- Meine Mitschüler finden meine musikalischen Aktivitäten großartig. Normalerweise hat kaum einer von ihnen Blues gespielt oder gehört, aber nachdem ich damit anfing, haben viele damit begonnen, diese Musik für sich zu entdecken und lieben zu lernen.

Und kommen sie auch zu Deinen Konzerten?

- Den meisten von ihnen ist es nicht so ohne weiteres möglich, zu meinen Konzerten zu kommen, weil es meist zu spät in der Nacht und vor allem für die Erwachsenen ist. An vielen Orten, wo ich spiele, gibt es die Vorschrift, daß man über 18 Jahre alt sein muß, um reinzukommen. Und oft spiele ich ja auch in anderen Teilen Norwegens. Aber wenn ich tagsüber einen Auftritt habe oder in der Schule spiele, dann kommen sie auch.
Ich habe tagsüber auf Festival gespielt und dann waren auch immer viele junge Menschen dabei. Es freut mich immer besonders, wenn einige Zuhörer meines Alters meine Konzerte besuchen.

Machst Du auch manchmal mit gleichaltrigen Freunden zusammen Musik?

- Ich spiele nicht sehr oft mit gleichaltrigen Freunden zusammen. Wenn, dann meistens in der Schule. In der Schule haben wir Musikunterricht und es gibt in der Klasse auch eine Band. Es macht Spaß, da mitzuspielen.

Aber es gibt leider nicht sehr viele in meinem Alter, die so intensiv und viel spielen wie ich. Einer hat jetzt angefangen mehr zu üben und meint es damit nun ernster, so daß ich mit ihm vielleicht in ein paar Jahren auf Konzerten zusammenspielen kann. Mein Freund Erik, mit dem ich auf dem „Down Town Market“ gespielt habe, ist ein wirklich guter Gitarrist und wir spielen manchmal Zuhause zusammen. Allerdings nicht sehr oft. Er ist 2 Jahre älter als ich und geht auf eine andere Schule.

Was sind Deine weiteren musikalischen Pläne?

- Ich möchte meine musikalischen Fähigkeiten weiter entwickeln, um die Welt reisen und meine eigene Musik, meine Songs spielen.

Und welche weiteren Pläne hast Du unabhängig von der Musik?

- Ich habe keine Pläne, die nicht in irgendeiner Weise Musik beinhalten.  Ich versuche, mein Bestes in der Schule zu geben da ich denke, daß eine gute Ausbildung sehr wichtig ist.

Werden wir Dich auch in Deutschland sehen? Ich bin mir sicher, daß Deine Musik auch in Deutschland gut ankommen würde.

- Das wäre echt klasse, in diesem Jahr auch in Deutschland zu spielen. In meinem Kalender ist noch Platz. Ich hoffe sehr, daß sich da eine Chance ergibt…

Fredrik, ich danke Dir ganz herzlich für das Interview und wünsche Dir sowohl auf Deinen privaten wie musikalischen Wegen alles Gute.

Das Interview mit Fredrik führte © Hanno Borchert

Fredrik im Studio

Eine Antwort

17 05 2008
Interview mit Fredrik Strand Halland « Fredrik Strand Halland

[...] Interview mit Fredrik Strand Halland [...]

Kommentieren